Die Ausstellung ist komplett – neue Erkenntnisse und Hinweise durch Ausstellungsbesucher

Seit dem vergangenen Sonntag sind nun alle drei Ausstellungsteile mit ihren regionalen Schwerpunkten in Chemnitz, Leipzig und Dresden eröffnet. Sie sind nun parallel zu sehen und geben Einblicke in die Pogromereignisse auf dem gesamten Gebiet des heutigen Sachsen im November 1938.

Neue Hinweise

Der Kontakt zu Lokalforschern und Menschen, die die Ausstellungseröffnungen besucht haben, war sehr reich. In mehreren Fällen gab es neue Anregungen zu möglichen Quellen in Archiven – so etwa für den Chemnitzer Raum. Außerdem habe ich einen neuen Augenzeugenbericht zum Chemnitzer Pogrom zugesendet bekommen, wofür ich sehr dankbar bin.

In Dresden haben sich nach der Eröffnung zwei Zeitzeugen bei mir gemeldet, die den November 1938 selbst erlebt haben. In den nächsten Tagen werde ich mit ihnen in Kontakt treten. Ich hoffe auf neue Bruchstücke gerade zur, sieht man von den Ereignissen an der Synagoge und der Protestveranstaltung am Abend des 9. November 1938 ab, nur schwer zu rekonstruierenden Pogromgeschichte von Dresden sammeln.

Spannend waren auch einige Hinweise zum einzigen, bislang für Sachsen bekannten Filmdokument zu den Novemberpogromen, jenem sogenannten Lehrfilm der Technischen Nothilfe Dresden zum Abriss der Synagoge.

Schön war es zudem, viele der Menschen, mit denen ich im Laufe meiner Recherchen in Kontakt gekommen bin oder deren Bücher ich gelesen habe, nun auch persönlich kennen lernen zu können.

Mediales Echo

Sehr gefreut hat mich auch, dass das Thema und die Ausstellung ein breites mediales Echo gefunden haben und auch noch finden. Auch nach der Lektüre von Artikeln in den entsprechenden Zeitungen sind Menschen mit ihren Fragen und Anregungen auf mich zugekommen. Vielleicht kommen in den nächsten Tagen noch einige weitere hinzu. Über die Resonanz in den Medien habe ich mich auch deshalb gefreut, weil die Ausstellung bewusst einen reichlichen Monat vor dem eigentlichen Jahrestag der Pogrome gestartet ist, also gleichsam als Vorlauf in die Geschichte einführt.

Für alle weiteren Hinweise bin ich immer dankbar – zumal es immer noch einige Menschen gibt, die die Ereignisse bewusst erlebten oder Bruchstücke in Erinnerung behielten.

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (19): Die NS-Tageszeitung für Bautzen und Umgebung (II)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

Die NS-Tageszeitung für Bautzen und Umgebung vom 10. November 1938

„Wie überall im Reich machte sich auch in Bautzen die berechtigte Empörung der Bevölkerung gegen das jüdische Verbrechervolk Luft. Auf die Nachricht vom Tode des Pg. vom Rath ereigneten sich, wie schon gestern kurz gemeldet, in Bautzen und Wilthen Kundgebungen, die bis zum Donnerstagnachmittag anhielten. In Sprechchören kam die Empörung über das Treiben der jüdischen Mörder zum Ausdruck. Auch einige Fensterscheiben gingen in Trümmer. Mehrere Juden mußten in Schutzhaft genommen werden. Dank der Anständigkeit der Bervölkerung ist aber keinem etwas Ernstliches zugestoßen.

Bei einer gegen 17 Uhr von Tausenden spontan veranstalteten Kundgebung auf dem Hauptmarkt und der Reichenstraße wurden aufschlußreiche Feststellungen aus der Villa Hamburger, Wallstraße, mitgeteilt. Eine ganze Kiste Eier wurde dort gefunden. Die Einrichtung und die Vorräte zeigten, daß es den Juden in unserem Reiche noch immer viel zu gut geht. So wohnen und leben jedenfalls deutsche Arbeiter nicht. Empörung rief die Nennung einiger Judenfreunde hervor, von denen festgestellt wurde, daß sie bis zuletzt mit dem Judengesindel beste Verbindung hatten. Kreisleiter Martin gab das Ende der Aktion bekannt und forderte die erregten Volksgenossen zum ruhigen Auseinandergehen auf. Dieser Aufforderung kam man dann auch bald nach.

In der Nacht zum Donnerstag brach in der Dresdner Synagoge ein Feuer aus, so daß die Kuppel einstürzte und das Gebäude bis auf die Umfassungsmauern niederbrannte. Die Feuerwehr vermochte die umliegenden Gebäude zu sichern und vor Schaden zu bewahren. Im Zusammenhang mit diesem Brand wurde eine Reihe von Juden festgenommen.

Mit Windeseile verbreitete sich am Donnerstag in den frühen Morgenstunden die Nachricht von diesem Brand. Zu Tausenden säumte bald darauf eine erregte Volksmenge die rauchende Stätte, in der fast hundert Jahre lang Rachelitaneien gegen alle ‚Gojm‘ zu Jahwe emporgestiegen sind. Schon seit langem wurde dieser Ort der Talmudanbeter auch in baulicher Hinsicht als ein Schandfleck empfunden, um so mehr, als sich widerliche Juden bis in die allerletzte Zeit auf dem Platz davor noch allzuoft ‚mausig‘ machten.

Am Donnerstagvormittag wurden die Jahwediener aus dem Rabbinerhaus geholt und veranlaßt, die mit dem Davidstern versehenen Attribute ihrer Talmudlehren aus der Synagogen herauszuräumen. Die feige dienende Judensippschaft benahm sich angesichts der empörten Volksmenge ekelerregend. Bei aller angesichts des ungeheuerlichen Verbrechens der jüdischen Mordpest an unserem Parteigenossen vom Rath nur zu begreiflichen Wut begnügte sich die Menge damit, dem Judengesindel ihre Verachtung ins Gesicht zu schreien. Es machte sich aber nottwendig [sic!], diese feige Sippschaft in Schutzhaft zu nehmen.

Am Donnerstag frühmorgens brach plötzlich im Kaufhaus Bamberger und Herz, Leipzig, Feuer aus.

Nach den bisherigen Ermittlungen haben sich die jüdischen Inhaber die Gelegenheit der spontanen Kundgebungen in der Nacht zum Donnerstag zunutze gemacht, um daraus in echt jüdischer Manier Kapital zu schlagen. Sie haben entweder persönlich oder durch Mittelsmänner den Brand selbst angelegt, um sich dadurch in den Besitz der Versicherungssumme zu setzen. Auf diese Weise habe sie geglaubt, in den Genuß des vollen Wertes des Unternehmens zu kommen, während sie sonst damit rechnen mußten, daß sie nach der schändlichen Tat ihres Rassegenossen Grünspan nicht mehr Absatz für ihre Ware finden würden.

Die Juden haben gründliche Arbeit geleistet. Das Kaufhaus ist vollständig ausgebrannt. Die Geschäftsinhaber wurden unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung und des Versicherungsbetruges in Haft genommen.“

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (19): Die NS-Tageszeitung für Bautzen und Umgebung (I)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

„Die Juden müsse raus!“ – Die NS-Tageszeitung für Bautzen und Umgebung vom 10. November 1938

„Die Bautzener Bevölkerung hat mit den Juden, die immer noch mit ihrem Ramsch ihren Reppach machen können, eine Engelsgeduld aufgebracht. Die schmierigen Kinder Israels haben hier, ohne daß ihnen je ein Haar gekrümmt worden ist, ihre üblen Geschäfte gemacht. Jetzt ist aber das Maß voll. Ein Judenverbrecher, den die ganze Judensippe deckt und verteidigt, hat in Paris Legationsrat vom Rath in gemeinem, verbrecherischem Anschlag ermordet, nur weil er ein Deutscher war. Wie im gesamten Reich, so war auch in Bautzen, als der Tod des Legationsrats bekannt wurde, die Erregung über diese jüdische Mordtat sehr groß. Auf der Reichenstraße sammelten sich viele Volksgenossen vor dem Etagengeschäft des Isidor Großmann, dessen üble Machenschaften von uns schon mehrfach gekennzeichnet wurden. Der ängstliche Isidor, dem beim Anblick der Bautzener Volksgenossen das Herz offenbar in die Hosen rutschte, ließ so schnell er konnte, die Jalousien seiner Fenster herab. Offenbar hat ihn die Volksmenge so sehr erregt, daß er glaubte, sein letztes Stündlein wäre gekommen. Auch an anderen Stellen der Stadt und in Wilthen kam es zu spontanen Kundgebungen der mit Recht erregten Bevölkerung. Isidor und alle anderen Juden mögen schleunigst Bautzen verlassen und sich bei uns nie wieder blicken lassen.“

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (18): Der Zwönitztaler Anzeiger (II)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und ab heute auch in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

Der Zwönitztaler Anzeiger vom 12./13. November 1938

„Leipzig, 12. November.

Wenn am Donnerstag wohl alle Volksgenossen Leipzigs von dem spontanen Ausbruch der Empörung gegen das Weltjudentum mit ergriffen waren, so folgte der Erregung der ersten Stunden bald wieder die alltägliche Ruhe und überraschend schnell ging es an die Aufräumungsarbeiten. Man möchte von dem jüdischen Spuk so bald als möglich nichts mehr sehen, und man erwartet auch, daß es nicht zu einer Wiedereröffnung der Einzelhandelsgeschäfte in Judenhand kommt.

Vielen sind an diesem Tage erst die Augen geöffnet worden, wie ungemein stark der Jude noch im Geschäftsleben vertreten war, wie er gerade in jenen Stadtteilen Fuß gefaßt hatte, die dicht bevölkert sind. Man brauchte nur einmal im Osten durch die Eisenbahnstraße zu gehen, um zu erkennen, wie sich hier die Juden breitgemacht hatten.

Nun sind die Scherben der zerschlagenen Fenster beseigt, die Schaufenster selbst überall mit Brettern verschalt. Es ist Tag und Nacht gearbeitet worden, und man hat in jeder Hinsicht Sorge dafür getragen, daß sich alles in Würde und Ordnung abspielte. Mit Genugtuung nahm man zur Kenntnis, daß die jüdischen Geschäfte geschlossen bleiben.

Am Freitag morgen war der Verkehr wieder vollständig in seinen alten Bahnen. Auch die Linie 6 konnte wieder durch die Grimmaische Straße und an der Synagoge an der Gottschedstraße vorüberfahren. Die Aufräumungsarbeiten an dem restlos ausgebrannten Judentempel waren so weit gediehen, daß keine Einsturzgefahr mehr bestand. Einzig der Durchgang bei Apels Garten ist noch gesperrt. Auch der hier gelegene Judentempel ist restlos ausgebrannt, unter Schutt glimmte aber teilweise noch das Feuer, und verschiedene Mauern mußten abgetragen werden. Die Feuerlöschpolizei war damit den ganzen Tag über beschäftigt. Sie hatte einen schweren Kraftwagen als Zugmaschine in den Dienst gestellt, stählerne Seile wurden an Mauern befestigt und diese nach und nach zum Einsturz gebracht.

Im übrigen konnte man an verschiedenen Geschäften nun plötzlich ein Schild lesen ‚In der Entjudung begriffen‘. Die Hebräer hätten sich eher darauf besinnen sollen …“.

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (17): Der Zwönitztaler Anzeiger (I)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und ab dem 14. Oktober 2018 dann auch in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

Der Zwönitztaler Anzeiger vom 11. November 1938

„Die Kunde vom Ableben des von jüdischer Mörderhand niedergestreckten deutschen Diplomaten vom Rath hat im ganzen Reiche spontane judenfeindliche Kundgebungen ausgelöst.

In Chemnitz wurden in den jüdischen Geschäften, so in den Kaufhäusern Tietz, Königsfeld und Ury, die Schaufenster eingeschlagen. Die Disziplin der Demonstranten verhinderte aber überall, daß geplündert oder Personen angegriffen wurden. In der Synagoge brach ein Feuer aus, das die Inneneinrichtung völlig zerstörte.

In Leipzig gingen in den jüdischen Geschäften in der Grimmaischen Straße, der Petersstraße, im Brühl, überall die Schaufensterscheiben in Trümmer. Am Königsplatz hatten sich bei Gebrüder Ury zahlreiche Volksgenossen eingefunden, die Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen, die Dekorationen flogen auf die Straße. In einem Verkaufsraum begann es zu brennen, aber schon war die Feuerlöschpolizei zur Stelle und konnte den Brand sehr rasch unterdrücken. Die Synagoge in der Gottschedstraße und der Judentempel an der Otto-Schill-Straße gingen in Flammen auf. In einem der Judentempel hat man einen sehr aufschlußreichen Fund gemacht. Hier waren braune SA-Hosen, Parteiabzeichen und Munition versteckt. Dieser Fund dürfte Beweisstücke dafür liefern, daß von jüdischer Seite beabsichtigt war, Rassegenossen als SA-Männer zu tarnen und dann irgendwelche Zwischenfälle zu provozieren!“

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (16): Das Bautzener Tageblatt (II)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und ab dem 14. Oktober 2018 dann auch in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

Bautzener Tageblatt vom 12. November 1938

„Feuer in Görlitzer Synagoge

Görlitz. Die Erbitterung der Görlitzer Bevölkerung über die feige jüdische Mordtat, der Legationsrat vom Rath zum Opfer gefallen ist, hat am Donnerstagabend dazu geführt, daß auch die hiesige Synagoge angezündet wurde und zum Teil ausbrannte. Sehr begrüßt wird von der Bevölkerung, daß nun endlich der Davidstern verschwunden ist, der bisher als Fremdling das Stadtbild unserer aufragenden Türme störte.“

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (15): Das Bautzener Tageblatt (I)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und ab dem 14. Oktober 2018 dann auch in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

Bautzener Tageblatt vom 12. November 1938

„Judenkundgebungen auch in Zittau

In einer Judenkundgebung machte sich auch die Empörung der Zittauer am Donnerstag über den jüdischen Meuchelmord in Paris Luft. Zwei Fensterscheiben jüdische Geschäfte gingen dabei in Trümmer und ein Teil des Mauerwerks der jüdischen Synagoge in einem Gartengrundstück in der Lessingstraße wurde durch zwei Sprengkapseln zerstört. Die Talmudschriften des Judentempels verwandelten sich auf einem Scheiterhaufen zu Staub und Asche. Sechs Juden wurden von der Polizei in Schutzhaft genommen, während vor den jüdischen Geschäften Polizeiposten aufgestellt wurden.“

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (14): Der Nossener Anzeiger (II)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und ab dem 14. Oktober 2018 dann auch in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

Der Nossener Anzeiger vom 11. November 1938

„Die jüdische Synagoge in Dresden abgebrannt. Aktionen gegen Judengeschäfte

Dresden, 10. Novbr. In den frühen Morgenstunden des Donnerstag wurde die Feuerwehr nach der in der Zeughausstraße gelegenen Synagoge gerufen. Die Kuppel des jüdischen Tempels brannte lichterloh und die Wehr mußte sich auf den Schutz der umliegenden Gebäude, vor allem einer angrenzenden Holzhandlung beschränken. Mit unheimlicher Geschwindigkeit griff der Brand um sich. In der 4. Morgenstunde bildete der ganze Judentempel ein einziges Feuermeer und unter lautem Krachen brachen die Gewölbe zusammen. Bereits in den Nachtstunden sammelte sich eine große Menschenmenge an der Brandstätte.

In zahlreichen jüdischen Geschäften Dresdens wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Verschiedene Personen jüdischer Abstammung wurden in Schutzhaft genommen.

Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist die jüdische Privatschule in der Fröbelstraße geschlossen worden.

Auch in anderen Städten Sachsens kam es zu ähnlichen Kundgebungen gegen die Juden. In Meißen wurden in allen jüdischen Geschäften die Fenster eingeschlagen. Sämtliche Läden mußten geschlossen werden. Die männlichen Juden wurden vorübergehend in Schutzhaft genommen. Die Polizei sorgte nach der Aktion dafür, daß niemand die Laden- und sonstigen Geschäftsräume der Juden betritt.“

Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (13): Der Nossener Anzeiger (I)

Wegen der momentan anlaufenden Ausstellungen BRUCH|STÜCKE in Chemnitz, Leipzig und ab dem 14. Oktober 2018 dann auch in Dresden erscheinen hier in den folgenden Tagen nur einige Auszüge aus der sächsischen Lokalpresse vom November 1938, die die Pogrome thematisieren. Diese Beiträge sind zentral gesteuert und unterliegen den Anweisungen aus Berlin. Sie beschönigen oftmals die Ereignisse und verbreiten antisemitisches Gedankengut – als Quellen sind sie entsprechend vorsichtig zu behandeln. Dies bitte ich bei den im Folgenden unkommentiert abgedruckten Quellenauszügen zu berücksichtigen.

Der Nossener Anzeiger vom 11. November 1938

„Jüdische Brandstifter gefaßt. Kaufhaus vollständig ausgebrannt

In Leipzig brach frühmorgens plötzlich im Kaufhaus Bamberger & Herz Feuer aus. Nach den bisherigen Ermittlungen haben sich die jüdischen Inhaber die Gelegenheit der spontanen Kundgebungen zunutze gemacht. [sic!] um daraus in echt jüdischer Manier Kapital zu schlagen. Sie haben entweder persönlich oder durch Mittelsmänner den Brand selbst angelegt, um sich dadurch in den Besitz der Versicherungssumme zu setzen.

Auf diese Weise haben sie geglaubt, in den Genuß des vollen Wertes des Unternehmens zu kommen, während sie sonst damit rechnen mußten, daß sie nach der schändlichen Tat ihres Rassegenossen Grünspan in Paris nicht mehr Absatz für ihre Waren finden würden. Dabei sind die genannten Juden von der Voraussetzung ausgegangen, daß sie in dem Augenblick der großen Erregung in Leipzig ihre Tat unbemerkt würden begehen und gar noch als Märtyrer der deutschen Volkswut im Ausland würden gelten können.

Die Juden haben gründliche Arbeit geleistet. Das Kaufhaus ist vollständig ausgebrannt. Die Feuerwehr hat lediglich die anderen im Hause befindlichen Geschäftsräume vor den Flammen bewahren können. Die Geschäftsinhaber wurden unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung und der [sic!] Versicherungsbetruges in Haft genommen.

Inzwischen war die Feuerlöschpolizei nach anderen Stellen gerufen worden. Zunächst brannte die Synagoge in der Gottschedstraße, und einige Zeit später ging auch der Judentempel an der Otto-Schill-Straße in Flammen auf. Man mußte sich hier damit begnügen, ein Uebergreifen des Feuers auf andere Gebäude zu verhindern. Die Gefahr konnte allerorts gebannt werden. Die jüdischen Geschäfte sind zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bis auf weiteres polizeilich geschlossen.“

Kinder|Täter (4): Dippoldiswalde

In Dippoldiswalde bei Dresden wurde am 10. November 1938 die Familie Wallach von den Pogromtätern angegriffen. Auch hier heben Augenzeugenberichte hervor, dass Schulkinder gezielt in die Gewalt- und Demütigungsexzesse, die vor allem Johanna Wallach trafen, eingebunden waren: Letztere musste mit einem Schild mit der Aufschrift ‚Jude‘ vom Rathaus zu ihrer Wäscherei laufen. Die Schulkinder seien ihr gefolgt und auch bei der Zerstörung der persönlichen Habseligkeiten aus der Wohnung der Wallachs dabei gewesen.

Aufgeputschte Müllerschüler

Zu den Personen, die offensichtlich sogar an den Zerstörungen beteiligt waren, gehörten nach einem Zeitzeugenbericht auch ‚aufgeputschte Müllerschüler‘ – also Schüler der örtlichen Deutschen Müllerschule.

Auch hier zählten also Kinder und Jugendliche zu den Zeugen und Beteiligten der Ereignisse. Der Bruder von Johanna Wallach, Jordan, wurde offenbar ebenfalls von Schülern im Zuge der Ereignisse angespuckt.