Die ‚Arisierung‘ nach dem Pogrom: Der Fall des Pirnaer Chemiefabrikanten Manfred Heß

Zu den in Pirna im Zuge der Pogrome festgenommenen Verfolgten gehörte der Chemiefabrikant Manfred Heß. Am Morgen des 10. November 1938 kam er in Gewahrsam und wurde über Dresden ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Während der Zugfahrt von Dresden nach Weimar mussten die Festgenommenen aus dem ‚Stürmer‘, einer antisemitischen Hetzzeitung, vorlesen. In Weimar und bei der Ankunft im Konzentrationslager wurden sie körperlich schwer misshandelt.

Freilassung und ‚Arisierung‘

Am 29. November 1938 wird Heß aus dem Lager entlassen. Im Dezember löste er, der schon länger die Emigration beabsichtigt hatte, seinen Betrieb und Hausstand zwangsläufig und übereilt auf. Die Familie emigrierte nach England.

Den Betrieb erwarb Richard Dreßler aus Wehlen zu einem Bruchteil des eigentlichen Wertes. Zumindest eine der Töchter von Manfred Heß vermutete, dass Dreßler möglicherweise auch hinter der Demolierung der Villa der Familie am Nachmittag des 10. November 1938 steckte. 1946 wird Dreßler als ehemaliger Nationalsozialist und Profiteur der ‚Arisierung‘ enteignet. Er war wohl auch eine kurze Zeit im Gefängnis.

Vergleiche dazu: Jensch, Hugo: Juden in Pirna, aktualis. Aufl., Pirna [2009], S. 41.

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