Antisemitische Karikaturen in sächsischen Tageszeitungen im Kontext der Pogrome (2): Unser Geld

Am 19. November 1938 – zehn Tage nach dem Ausbruch der reichsweiten Pogromgewalt – erschien auch in der ‚NS-Tageszeitung für Bautzen und Umgebung‘ eine antisemitische Karikatur, die deutlich auf die Pogrome Bezug nahm.

Unser Geld!‘

Unter dem Titel ‚Unser Geld!‘ liefert der Zeichner Waldl einen chronologischen, fünfteiligen Comicstreifen: Das Jahr 1918 zeigt, wie ein mit charakteristischen antisemitischen Zügen (Hakennase, Davidstern, …) gezeichneter Jude das Deutsche Reich betritt, während der Deutsche in Ketten – bezogen auf den verlorenen Ersten Weltkrieg und den Friedensvertrag von Versailles liegt.

Im Jahr 1923 zieht der Jude dem geketteten Deutschen dann während Inflation und Ruhrkampf weiterhin das Geld aus der Tasche, bezogen auf die vom Deutschen Reich zu leistenden Reparationszahlungen.

Daran ändert sich auch 1988 zunächst nichts, doch der angekettete Deutsche fühlt die Wut dagegen aufsteigen. 1928 wurde die NSDAP mit 12 Abgeordneten (2,63 Prozent) in den Reichstag gewählt. Bei den nächsten Wahlen bis Juli 1932 konnte sie erhebliche Stimmgewinne verbuchen.

1933 zieht der Jude noch immer Geld aus der Tasche des Deutschen, muss aber erschrocken feststellen, dass dieser seine Ketten zerreißt. Hier wird direkter Bezug auf die nationalsozialistische ‚Machtübernahme‘ und die direkt danach einsetzenden antisemitische Maßnahmen genommen.

Das letzte Bild des Comics nimmt schließlich direkten Bezug auf die Folgen der Pogromereignisse: Der Deutsche, in Uniform, hält nicht nur die Verordnung über die von den als Juden zu erbringende Kontribution in Höhe von einer Milliarde Reichsmark in der Hand und fordert den ‚zusammengerafften‘ Reichtum im Sack. Er weist den weinenden Juden nun auch aus dem Deutschen Reich aus. Die Lösung der ‚Judenfrage‘ lief aus der Sicht der meisten NSDAP-Vertreter und Antisemiten in diese Zeit noch auf eine Emigration aller in Deutschland lebenden Juden hinaus.

Waldl – ein nationalsozialistischer Karikaturist

Hinter dem Pseudonym Waldl verbirgt sich Walter Hofmann (1905-1977), der zahlreiche antisemitischen Karikaturen und Comics zeichnete. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählte das 1937 beim Nationalsozialistischen Verlag für den Gau Sachsen erschienene Buch ‚Lacht ihn tot! Ein tendenziöses Bilderbuch‘, das zahlreiche antisemitische, nationalsozialistische, kirchenfeindliche und antibolschewistische Comics vereinte.

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