Pogrom und nationalsozialistische Presselenkung (13): Von ‚Gynszpan‘ zu ‚Grünspan‘

Einen Beleg für die Steuerung der Tagespresse auch in Sachsen zeigt sich in der Schreibweise des Namens des Pariser Attentäters Herszel Grynszpan.

Von ‚Grynszpan‘ zu ‚Grünspan‘

Der ‚Dresdner Anzeiger‘ vom 7. November berichtete noch, dass sich der Attentäter „echt polnisch“ Herschel Seibel (Feibel) Grynszpan nenne. Allerdings, so das Blatt, könne er dadurch seine ‚Rassezugehörigkeit‘ nicht verleugnen. Am Folgetag schwenkte das Blatt auf die Schreibweise ‚Grünspan‘ um, die vermeintlich stärker den jüdischen Hintergrund des Attentats hervorhebt.

Diese Schreibweise setzte sich dann bis zum 10./11. November allgemein in den sächsischen und überhaupt den deutschen Zeitungen durch. Die Grundlage dafür bildete eine Presseanweisung vom 9. November. In dieser hieß es: „Der Moerder Gruenspan solle in deutschen Zeitungen nicht mit ‚y‘ geschrieben werden“ (Peter, Karen (Bearb.): NS-Presseanweisungen der Vorkriegszeit. Edition und Dokumentation, Bd. 6/III: 1938, München 1999, S. 1057).

Und so wurde in allen weiteren Artikel fortan nur noch vom ‚Juden Grünspan‘ gesprochen.

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