Ein Foto und seine Geschichte (3): Die Abnahme eines Davidsterns von der Dresdner Synagogenruine als Bildikone

Eine Fotografie, die die Abnahme eines Davidsterns von der Dresdner Synagoge am 10. November 1938 zeigt, gilt als eine der Bildikonen zu den Novemberpogromen.

Die Abnahme der Davidsterne

Die Aufnahme(Link zu einem Ausschnitt) zeigt die ausgebrannte Ruine der Synagoge. Und sie zeigt zwei Feuerwehrmänner, die auf einer Drehleiter auf einem der Türme einen der Sterne abnehmen. Die ‚Dresdner Nachrichten‘ vom 10. November 1938 berichteten, dass die am späten Vormittag erfolgte Abnahme der Davidsterne „großen Beifall“ erzeugt habe.

Der Urheber der Aufnahme

Nur wenig ist in der öffentlichen Erinnerung über die Geschichte der Aufnahme zu lesen. Die Aufnahme wurde aus dem ebenfalls der Jüdischen Gemeinde gehörigen Gebäude Zeughausstraße 1 aus einer weit oben liegenden Wohnung heraus aufgenommen.

Das Nachrichtenblatt des Verbandes der jüdischen Gemeinden in der DDR vom Dezember 1988 berichtet, dass der jüdische Lehrer Aron Höxter das Foto von „seiner hochgelegenen Wohnung aus aufgenommen hatte, er wohnte im Haus Zeughausstraße 1, das der Synagoge sehr nahe stand.“

Tatsächlich ist Höxter im Adressbuch für 1940 als Mitbewohner in der 3. Etage des Hauses genannt. Es handelt sich also um eine Fotografie, die von den Verfolgten selbst aufgenommen wurde und im Gegensatz zu den meisten anderen Aufnahmen ihre Perspektive auf die Ereignisse wiedergibt.

Aron Höxter als Opfer der Schoa

Zur Person Aron Höxters gibt das Dresdner Gedenkbuch (Buch der Erinnerung) einige biografische Hinweise: Höxter, der 1892 in Treysa (Kreis Ziegenhain) geboren wurde, war mit Paula Sachs (Jg. 1894) verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Sophie Margot und Günter).

Höxter arbeitete an der jüdischen Schule in Dresden als Lehrer. Die Familie lebte erst im ‚Judenhaus‘ Zeughausstraße 1 und dann Strehlener Straße 52. Das Ehepaar wurde am 20./21.01.1942 nach Riga deportiert. Aron Höxter starb wahrscheinlich 1945 in Mühlgraben bei Danzig. Seine Frau kam in Stutthof um. Auch der Sohn Günter überlebte die Schoa nicht.

Mit dem Rückgriff auf die Fotografie, die ein wichtiges Bilddokument zur Judenverfolgung in Sachsen darstellt, sollte also künftig auch stärker die Person Höxters in den Mittelpunkt rücken, die diese Aufnahme – und Gefahr für sich selbst – offensichtlich heimlich schoss.

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