Die Instrumentalisierung angeblicher Waffenfunde bei Juden in Leipzig

Die vorgebliche Suche nach Waffen in den Wohnungen der Verfolgten, die oft Zerstörungen, Gewalt und Diebstähle nach sich zogen, als auch das Verbot des Waffenbesitzes für Juden vom 11. November 1938 zeigen nur zu deutlich, wie die antisemitische Politik und Propaganda die als Juden Verfolgten zu Kriegstreibern und Gewaltmenschen abzustempeln versuchte.

Waffen im Leipziger ‚Judentempel‘

In Leipzig seien während des Pogroms, so berichten es Zeitungen, gar Waffen gefunden worden. Die ‚Werdauer Zeitung‘ (wie zahlreiche andere sächsische Blätter) schrieb dazu am 11. November:

„In einem der Judentempel in Leipzig hat man einen sehr aufschlußreichen Fund gemacht. Hier waren braune SA.-Hosen, Parteiabzeichen und Munition versteckt. Dieser Fund dürfte Beweisstücke dafür liefern, daß von jüdischer Seite beabsichtigt war, Rassegenossen als SA.-Männer zu tarnen und dann irgendwelche Zwischenfälle zu provozieren!“ (Werdauer Zeitung für Stadt und Land, 58, 264 (11.11.1938), S. 3).

Auch hier also wurden die als Juden Verfolgten wieder zu Kriegstreibern und Unruhestiftern gemacht, gegen die der ‚spontane Volkszorn‘ der Pogrome mehr als berechtigt sei. Die gefundenen Objekte wurden vermutlich untergeschoben.

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