Chemnitz – Berichte von Augenzeugen (2): Siegmund Rotstein

Siegmund Rotstein, der 1925 geboren wurde, war bis 2006 vierzig Jahre lang Vorsitzender der Chemnitzer Jüdischen Gemeinde. Leitende Funktionen hatte er zu DDR-Zeiten auch im Verband der Jüdischen Gemeinden, für dessen Nachrichtenblatt er als Redakteur wirkte.

Als Kind nach Theresienstadt

Rotstein erlebte die zunehmende Entrechtung der als Juden Verfolgten in Chemnitz als Kind. Er wurde ins Ghetto Theresienstadt deportiert, das er überlebte. Er kehrte nach Chemnitz zurück und ist bis heute Ehrenvorsitzender der dortigen Jüdischen Gemeinde.

Die Pogrome in Chemnitz

Als knapp 13-jähriger erlebte Rotstein die Pogromgewalt in Chemnitz am 9./10. November 1938. Er schrieb darüber einige Zeilen in einem Geleitwort eines kleinen Bandes zu der Berliner Ausstellung „Und lehrt sie: GEDÄCHTNIS!“, die 1988, im Jahr des 50. Jahrestags der Pogrome stattfand:
„Tief haben sich mir jene Ereignisse der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 für immer in mein Gedächtnis eingeprägt. An diese Novembertage meiner Kindheit denke ich mit Schrecken. In meiner Heimatstadt Chemnitz – dem heutigen Karl-Marx-Stadt – wurden, nachdem kurz zuvor über 300 jüdische Bürger polnischer Nationalität ausgewiesen worden waren, die Geschäfte jüdischer Inhaber zertrümmert; die 1899 geweihte Synagoge brannte und wurde Opfer der Flammen. Die Kosten für die Beseitigung der Trümmer hatte die Chemnitzer Jüdische Gemeinde zu tragen.
Während des Pogroms wurden auch in Chemnitz Juden ermordet, so z. B. der Direktor des Warenhauses Tietz“ (Rotstein, Siegmund: Zum Geleit, in: Grabowski, Jörn; Strohschein, Ruth (Red.): „Und lehrt sie: GEDÄCHTNIS!“. Eine Ausstellung des Ministeriums für Kultur und des Staatssekretärs für Kirchenfragen in Zusammenarbeit mit dem Verband der Jüdischen Gemeinden in der DDR zum Gedenken an den faschistischen Novemberpogrom vor fünfzig Jahren, Berlin 1988, S. 9).
Rotstein verwies in diesen Worten nicht nur auf die Verbindung von ‚Polenaktion‘ und Novemberpogromen, sondern auch auf die Ermordung des Tietz-Geschäftsführers Hermann Fürstenheim, dem einzigen Mordopfer während der Nacht des 9./10. November. 1938.

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