Ein Foto und seine Geschichte (16): Passfotos

Nicht nur die Fotografien von den während der Pogrome zerstörten Gebäuden oder den direkten Gewaltexzessen gegen die als Juden verfolgten Menschen sind als Bildquellen für die Geschichte der Ereignisse von besonderem Wert. Auch andere Fotografien erzählen die Geschichte der Pogrome und der darin verwickelten Menschen.

Im Konzentrationslager

Dazu zählen insbesondere die Passfotos jener als Juden verfolgten Männer, die im Zuge der Pogrome in die Konzentrationslager Buchenwald, Sachsenhausen und Dachau verschleppt wurden. Aus hygienischen Gründen, aber auch als Form der Demütigung, wurden ihnen dort die Haare abrasiert. Die Personalfotos für die ab 1939 eingeführten neuen Kennkarten für Juden dokumentieren diesen Sachverhalt: Sie zeigen die Männer oft noch mit kurzgeschorenen Haaren.

Arthur Hiller aus Görlitz

Zu den Verhafteten, die in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt wurden, gehörte auch der Görlitzer Fell- und Häutehändler Arthur Hiller. Er war am 15. November festgenommen wurden und bis zum 28. Dezember in Sachsenhausen inhaftiert. Auch ihm waren die Haare geschoren worden, was nach seiner Freilassung seinen Mitmenschen ganz offensichtlich vor Augen stand. Auf einem Passfoto, das Hiller für seinen Ausmusterungsschein im Sommer 1940 vorlegen musste – Juden galten als dauernd wehrunwürdig – ist er dann bereits wieder mit nachgewachsenen Haaren zu sehen.

Die seelischen Schäden lassen sich auf dergleichen Fotografien indes nur erahnen.

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