Die internationale Wahrnehmung der Pogromereignisse (1): Der amerikanische Konsul

Auch in Sachsen gab es im Herbst 1938 noch ausländische Vertretungen, so unter anderem in Leipzig und Dresden. Diese beobachteten die nationalsozialistische Politik gleichsam aus nächster Nähe und berichteten regelmäßig an Botschaften und Außenministerien ihrer Länder.

Der amerikanische Konsul in Leipzig

In Leipzig erlebte unter anderen der amerikanische Konsul die Gewaltexzesse des Pogroms im November 1938. David H. Buffum berichtete darüber noch unter dem Eindruck der jüngsten Ereignisse: „Nachdem sie Wohnungen demoliert und den größten Teil des Mobilars auf die Straße geworfen hatten, warfen die unersättlich sadistischen Täter viele der zitternden Bewohner in einen kleinen Bach, der durch den Zoologischen Garten fließt, und forderten die entsetzten Zuschauer auf, sie anzuspeien, mit Lehm zu besudeln und sich über ihre Not lustig zu machen … Das geringste Anzeichen von Mitleid rief auf Seiten der Täter einen regelrechten Zorn hervor.“ (zit. nach Friedländer, Saul, Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung, 1998, S. 299).

Buffum nahm nicht nur Bezug auf die Übergriffe auf Wohnungen, sondern auch auf die Demütigung von als Juden verfolgten Menschen am Ufer des kleinen Flüsschens Parthe.

Siehe auch: Strupp, Christoph: Beobachtungen in der Diktatur. Amerikanische Konsulatsberichte aus dem „Dritten Reich“, in: Bajohr, Frank; Strupp, Christoph (Hg.): Fremde Blicke auf das „Dritte Reich“. Berichte ausländischer Diplomaten über Herrschaft und Gesellschaft in Deutschland 1933 – 1945, Göttingen 2011, S. 70–137.

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