Beierfeld – Die Pogromgewalt und die Reaktion der Einwohnerschaft

Im erzgebirgischen Beierfeld traf die Pogromgewalt die Familie Hutzler, deren Mitglieder als ‚Juden‘ verfolgt waren.

Die Zerstörung der Wohnung von Ignatz Hutzler (1876-1970)

In einer Abhandlung zur Beierfelder Industriegeschichte heißt es dazu:

„Auch die Wohnung des Firmeninhabers Ignatz Hutzler wurde durch junge SS- und SA-Leute zerstört. Die Polizei griff nicht ein. Die Familie war zufällig auf Reisen. In der Beierfelder Kirchenchronik ist vermerkt, dass ein großer Teil der Bevölkerung über dieses Verhalten empört war, aber am Eingreifen von den SS- und SA-Schlägertrupps unter Androhung von Gewalt zurückgehalten wurde. Die Familie Ignatz Hutzler war jahrzehntelang in Beierfeld ansässig und wegen ihres ruhigen und anständigen Verhaltens und wegen ihrer Spendenbereitschaft insbesondere für die ärmeren Schichten der Bevölkerung allgemein geschätzt.“

(entnommen aus: Brandenburg, Thomas (Bearb.): Beierfelder Industriegeschichte – Teil III. Metallwarenfabrikation, Aue 2008, S.59).

Die Reaktion der Bevölkerung

Der Vermerk in der Kirchenchronik, dass ein großer Teil der Bevölkerung nicht mit dem Angriff auf das Eigentum der Hutzlers einverstanden gewesen sei, ist ein interessanter Befund: Gerade in den kleineren Orten, wo sich die Menschen mehr oder weniger gut kannten, finden sich immer wieder Hinweise auf entsprechende Unmuts- oder sogar Solidaritätsbekundungen.

Offen bleibt für Beierfeld die Frage, ob die genannten Schlägertrupps aus Beierfeld selbst oder anderen Orten stammten. In Sachsen jedenfalls sind mehrere Fälle dokumentiert, wo ortsfremde, den dortigen Verfolgten also weniger verbundene und auch den Ortsansässigen wenig bekannte Personen die Pogromgewalt ausübten.

Nachzulesen ist die Geschichte zum Pogrom in Beierfeld auch im amtlichen Spiegelwaldboten vom November 2011 (Nr. 22 (23.11.2011), S. 16-18).

Die Firma Ignatz Hutzler und Pretsfelder

Ignatz Hutzlers Beierfelder Metallwarenfirma wurde „arisiert“ und zunächst unter Zwangsverwaltung gestellt; auch seine privaten Grundstücke musste er verkaufen (vgl. Sächsisches Staatsarchiv, 30049 Amtshauptmannschaft Schwarzenberg, Nr. 10077: Verkauf des jüdischen landwirtschaftlichen Grundbesitzes des Ignatz Hutzler, Beierfeld, 1941). 1940/41 wanderte er mit seiner Frau Minna Sara nach Südamerika aus. Erst 1994 erfolgte auf Beschluss des Landratsamts Aue-Schwarzenberg die Restitution der Grundstücke und Gebäude an die Familie.

Einige Hinweise zur Geschichte und Genealogie der Familie Hutzler bietet eine Sammlung im Leo Baeck Institute in New York, die online zur Verfügung gestellt ist.

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